Smart Home – was ist möglich?

“Smart Home” – für den einen eine Marketing-Idee der Elektro-Industrie, für andere das neue große Ding im Bau- und Wohnbereich.

Wir leben schon seit über fünf Jahren “Smart” mit und im LichtAktiv Haus. Hier regelt ein WindowMaster System die natürliche Lüftung aller Fenster und somit unser Co2 Wert der Räume und die Luftfeuchtigkeit, aber auch die Temperatur wird über die Wärmepumpe und dem System geregelt. Das ist sehr hilfreich und “Smart Living“, bzw. “Smart Home“. Wir können alles an Monitoren einsehen, steuern, ändern und an unsere Bedürfnisse anpassen. Doch das alles ist nicht ganz einfach (Installation) und günstig. Seit den vergangenen Jahren hat sich der Markt und die Anbieter immer mehr einem breiten Publikum geöffnet, die Bauherren interessieren sich mehr und mehr für einfach zu regelden Steuerungen für Heizung, Fenster, Licht und Elektrik.

Was zur Zeit möglich ist zeige ich hier gern an zwei Beispielen. Das eine ist ein Haus bei Hof in Bayern. Hier hat der Besitzer viel Zeit und Geld in  Technik und Computerprogramm investiert, aber seht selber.

Matthias Gemeinhardt ist kein Freund des Konjunktivs. Könnte, sollte, müsste – das alles sind Worte, die dem Diplom-Ingenieur für Versorgungstechnik nicht wirklich etwas sagen. Geht oder geht nicht, ist eher seine Devise, und wenn etwas (noch) nicht geht, dann wird eben so lange daran gearbeitet, bis es funktioniert.

Dabei ist der Hobbykoch beileibe kein Typ, der vor Ehrgeiz brennt. Es ist eher diese typische innere Ruhe des passionierten Technikers, die ihn bei seinen Projekten weiterbringt. Oder wie Gemeinhardt es selbst ausdrückt: „Ich bin Ingenieur. Wenn ich eines gelernt habe, dann To-dos strukturiert abzuarbeiten.“
Solche Voraussetzungen braucht es, wenn man etwas realisieren will, was es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Und genau das hat Gemeinhardt getan. Sein Haus im oberfränkischen Döhlau vereint in Sachen Energietechnik und ihrer intelligenten Steuerung so ziemlich alles, was derzeit technisch machbar ist.

Nur ein Jahr Bauzeit

Als aktives Mitglied im Sonnenhaus-Institut machte er sich zuerst das Grundprinzip des Vereins zu eigen: die Entwicklung von Energiekonzepten weitgehend solarbeheizter Häuser. Das war ihm allerdings nicht genug, und so erweiterte Gemeinhardt diese Idee um ein „Plus“. Konkret bedeutete dies, ein Haus zu bauen, das mit seiner Kombination aus Gebäudehülle, ganzheitlichem Energiekonzept und ausgereifter Smart-Home-Funktionalität vom abhängigen Energieverbraucher zum au­tarken Energieerzeuger wird.
Dass Gemeinhardt das Vorhaben in nur einem Jahr Bauzeit umsetzen konnte, verdankte er vor allem einer sorgfältigen Vorplanung – und dem Umstand, dass er als Vorstand einer Firma für Heizung, Solar und Bad schon jahrelang praktische Erfahrung gesammelt hatte.

Sonnenhaus Plus in Döhlau im Video

Nicht in Hamburg, München oder Berlin steht eines der modernsten Häuser der Republik, sondern in Oberfranken. Wohnglück war zu Besuch! Wohnglück.de/planet c

So ging es noch vor dem allerersten Spatenstich an die umfangreichen Planungen, die auf drei grundsätzlichen Säulen basierten: Erstens musste das Gebäude optisch in den Ortskern des kleinen Ortes passen, weshalb nur eine konventionelle Bauweise mit Satteldach infrage kam. Zweitens sollte es ein KfW-40-Effizienzhaus sein, allerdings mit Ziegeln errichtet und ohne ein Wärmedämm-Verbundsystem. Und zu guter Letzt sollte der Energieüberschuss durch ein ausgeklügeltes, ganzheitliches Energiekonzept entstehen. Basis dafür war der mehr als 75-prozentige solare Deckungsanteil der solarthermischen Anlage. Eine effiziente Wärmepumpe sorgt im Bedarfsfall für eine automatische Nachheizung, wobei die Antriebsenergie der Wärmepumpe ebenfalls über Solarstrom erfolgt. Und dank einer intelligenten Smart-Home-Logik wird durch die Steuer- und Regelungstechnik ein Maximum an Energie gespart, ohne dabei auf Wohnkomfort verzichten zu müssen.

Eine Menge Planungsarbeit notwendig

Was sich in der Theorie ganz logisch anhört, erwies sich in der Praxis erst einmal als eine Menge (Planungs-)Arbeit. Innenwände, Fenster, Türen, Wasser- und Abwasserleitungen, Elektroinstallationen etc. – all das wurde in einer Computer­simulation vorausberechnet. Dazu kamen individuelle Detailarbeiten, zum Beispiel zu den Wärmebrücken einzelner Bauteile, um den gewollten KfW-40-Standard auch zu erreichen. Letztlich hat sich der hohe Aufwand gelohnt. Matthias Gemeinhardt wohnt jetzt mit Frau und Sohn auf rund 230 Quadratmetern in einem Haus, das es in dieser Form in Deutschland wohl kein zweites Mal gibt.

 

Beim zweiten Projekt, ein Musterhaus in Glinde, bei Hamburg, hat die Firma Heinz von Heiden, ein Haus mit eher simplen und einfachen Systemkomponenten für Licht, HiFi und Alarmsteuerung ausgestattet:

Gleich zur Begrüßung gibt es erst einmal einen Kaffee, dessen Zubereitung über eine App gesteuert wird. Eine Spielerei, wie auch Robin Cumpl, Abteilungsleiter Innovations- & Redaktions-Management und Chefredakteur der vom Mediamarkt betriebenen Plattform smart-wohnen.de, zugibt. Wesentlich handfester geht es dann bei der Demonstration der weiteren Eigenschaften des smart home zu.

Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei die Sicherheit. Bewegungsmelder, dezent in den Zimmerecken platziert, dazu Fenster- und Türkontakte, die sich ganz einfach anbringen lassen – schon ist die Basisversion einer Alarmanlage installiert. Betritt jetzt jemand Unbefugtes den Raum, dann gibt es auf jeden Fall eine Meldung auf das Handy des Besitzers. Zusätzlich können – je nach dem Grad der Vernetzung – noch die Beleuchtung und das Soundsystem mit eingebunden werden, um den ungebetenen Gast auch per Licht und Ton zu vertreiben.

Komfort, der auch einer ist
Apropos Licht und Sound: beides lässt sich natürlich – ebenso wie der Robot-Staubsauger – entweder per Handy oder Tablet steuern. Entweder einzeln oder eben eingebunden in ein ganzes Szenario, dass zum Beispiel diverse Aktionen während der Abwesenheit steuert (Heizung runterfahren/Licht zufallsgesteuert an- und ausmachen). Wirklich smart bedeutet aber auch, dass eben nicht nur die elektronischen Helferlein allein als Bedienungselemente zur Verfügung stehen.

“Sie wollen natürlich nicht erst umständlich nach Ihrem Smartphone suchen, nur um das Licht anzumachen” weiß Cumpl und verweist deshalb auf den abnehmbaren Schalter. Der funktioniert funkgesteuert, lässt sich deshalb überall mühelos montieren und kann – neben ein- und ausschalten – das Licht auch dimmen. Das ist vielleicht nicht ganz so sexy wie die Regelung per Touchscreen, aber unheimlich praktisch.

Rundgand durch das “Smart Home” in Glinde

Was geht und wie geht es? Eine kurze Demonstration an praktischen Möglichkeiten, die aus “normalen” Wohnungen und Häusern heute schon ein smart home machen. wohnglück.de

Individuelle Komponenten, allgemeine technische Basis
Weitere Pluspunkte: die Modularität und die recht einfache Installation. Ersteres bedeutet nichts anderes, als dass es verschiedenste Komponenten gibt, die sich miteinander vernetzen lassen – wenn man das denn will. Es geht aber auch durchaus, sich mit einzelnen Komponenten zufriedenzugeben. Wer rein auf den Einbruchschutz setzt, benötigt eben keine individuell belegbaren Lichtszenarien – muss er aber auch nicht.

Basis der vorgestellten Installation ist die Qivicon Home Base. Sie ist die Steuerungszentrale, über die alle funkbasierten (und damit kabellosen) Befehle an die einzelnen Komponenten wie eben Bewegungsmelder, Beleuchtung etc. gehen. Hinter Qivicon steht eigentlich die Telekom, doch auch viele Produkte anderer Hersteller können eingebunden werden und für die Installation braucht es nur ein WLAN – egal von welchem Provider.

Im Video geht es in einem kurzen Rundgang im Haus um die bereits angesprochenen Praxisbeispiele in Sachen smart home. Eins ist aber klar: ein Ende der Möglichkeiten, sein Haus intelligent zu vernetzen, ist noch lange nicht abzusehen.

Sicherheit im Smart Home

So schön die Möglichkeiten in einem smart home sind: wie sicher ist so ein System eigentlich? Wie schütze ich mich gegen unbefugte Zugriffe? wohnglück.de